Wir machen Euch satt

Reden

Auf der Kundgebung der Bauern am vergangenen Samstag in der Beckumer Fußgängerzone habe ich als Abgeordneter der SPD aus dem Wahlkreis ebenfalls einen Redebeitrag gehalten, der nachfolgend dokumentiert wird.

Sehr geehrter Herr Schulze-Zumloh, lieber Hermann-Josef,

wir reden miteinander, und zwar schon lang und regelmäßig, für uns sind die Landwirte keine Randgruppe...Sehr geehrte Frau Burzlaff,  Gehricke sehr geehrte Damen und Herren,

passend zur Grünen Woche in Berlin gibt es immer wieder Programme, Initiativen, Anschuldigungen und Rechtfertigungen.

Warum ist das so? 

Weil die Landwirtschaft für uns alle von großer Bedeutung ist, für Ernährung, den Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen, Artenvielfalt und natürlich für die Menschen, die von ihr leben.

Und weil es neben allen Erfolgen eben auch Probleme und neue Herausforderungen gibt: wirtschaftliche, ökologische, soziale, ethische. Niemand wird das bestreiten. Debatten gibt es aber auch, weil es kaum einen Sektor gibt, der mit so hohen Summen unterstützt wird und dennoch viele kleine Betrieben nicht überleben können, weil der Strukturwandel so dramatisch verläuft. Debatten gibt es, weil Bauernland zum Spekulationsobjekt geworden ist.

Nein, Bauernland gehört in Bauernhand.

Debatten gibt es, weil überdimensionierte Straßenbauprojekte Land verbrauchen und Ausgleiche fordern. Auch im Kreis Warendorf und die Beispiele lassen sich fortsetzen, denken wir nur an Reizworte wie Antibiotika, Pestizide oder Agrarfabriken. Allerdings kenne ich kaum einen Landwirt, der die Fehlentwicklungen gut heißt.

Irgend etwas stimmt aber nicht und wir sollten nicht so tun, als wäre es anders.

Leider haben sich viele Beteiligte, Verbände, Funktionäre, seien sie konventionell oder ökologisch in ihrer gegenseitigen Frontstellung eingenistet, während die Notwendigkeit, miteinander zu reden und neue Wege zu finden, wächst. Deshalb bin ich hier. Wir lassen die Bauern nicht allein.

Ich komme selbst nicht aus der Landwirtschaft, aber ich bin hier zu Hause, meine Familie kommt aus dem Lebensmittelhandwerk, ich kenne viele Bauern und war auf vielen Höfen. Ich weiß: Landwirtschaft ist harte Arbeit, Landwirtschaft ist ein Stück Heimat, Landwirtschaft ist unverzichtbar. Ja, und sie macht uns satt.  Darum stehe ich - steht auch die SPD an ihrer Seite. Wir wollen, dass sie unsere Ernährung sichert, wir wollen, dass Landwirte gut von ihrer Arbeit leben können und unsere natürlichen Lebensgrundlagen erhalten. Gute Höfe, gesunde Tiere, regionale Produkte.

Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher dies auch wollen - und die Umfragen sagen das ja - wenn wir dabei ökologische, soziale und ethische Standards wollen, dann ist "geiz ist geil" kein Motto für Lebensmittel.

Ja, Verbraucher sind gefordert.

Wer eine zukunftsfähige Landwirtschaft will, kann nicht sagen "Wir lieben Lebensmittel" - und die Milch zum Schleuderpreis verkaufen, es reicht nicht "Wiesen" und "Bauernglück" auf Etiketten zu drucken.

Ja, auch der Handel, auch die Michgenossenschaften sind gefordert. Auch Marktmacht unterliegt sozialer Verantwortung.

Es gibt ja gute Beispiele: Seitdem durch die Codes auf den Eiern Klarheit über Herkunftsland und Produktionsbedingungen herrscht, werden im Supermarkt Eier aus Käfighaltung praktisch nicht mehr gekauft.

Auch "Tierwohl" ist eine Initiative, die ich begrüße, weil neue Wege entwickelt werden. Aber 4.400 Betriebe sind zu wenig, (auch wenn die Erstattung für das Fleisch von 4 auf 6,25 Cent wächst)

Die Verbraucher sind bereit, mehr zu zahlen, wenn sie wissen, wofür. Das Stichwort lautet Transparenz.

Aber das alles ist auch davon abhängig, dass sich in der Landwirtschaft mehr tut. Ich habe es nie verstanden, warum die kleinen und mittleren Bauern so lange eine Agrarförderung akzeptieren, die das Prinzip "wachse oder weiche" fördert, statt zu verhindern. Wenn 5% der Betriebe 40% der Subventionen erhalten, geht dies zu Lasten der kleinen und mittleren Betriebe. Wenn Bauern beklagen, dass Bürokratie mehr als 50% der Förderung ausmacht, stimmt was nicht.

Die europäische Agrarpolitik war von einem Gesellschaftsvertrag geprägt, den die Landwirtschaft erfüllt hat: nämlich den Hunger zu beseitigen, die Ernährung zu sichern: Satt zu machen.

Heute müssen wir diese Agrarpolitik neu justieren. Deutschland muss sich bis zum 1. August dazu positionieren. Wir haben dazu Vorschläge erarbeitet. Wir wollen eine Agrarförderung, die nicht einfach nach Betriebsgröße und -fläche fördert, sondern nach dem Grundsatz: öffentliches Geld für öffentliche Aufgaben. 15 % erwirtschaftet die Landwirtschaft auf den Weltmärkten. Die Gewinne verteilen sich auf wenige. Den Preis dafür zahlen wir alle. Wer Exportmärkte erschließen will, mag das tun. Öffentliches Geld darf es dafür nicht geben.

Der WLV hat die „Offensive Nachhaltigkeit“ gestartet. In dem Aufruf heißt es: „Wir müssen uns verändern, weil wir als Berufsstand durch unsere Art und Weise der landwirtschaftlichen Erzeugung dazu beitragen, dass Boden, Wasser, Luft und Tiere sowie Elemente der Kulturlandschaft geschädigt werden.“

Diese Reformbereitschaft begrüße ich sehr. Gerade haben sich Bund und Länder auf eine Düngereform geeinigt. Das ist keine Zumutung (wie es kürzlich ein Abgeordneter bezeichnete), sondern eine Notwendigkeit, denn unstreitig haben wir vielfach eine zu hohe Grundwasserbelastung. Wer das kritisiert sollte, auch sagen, woher die vielleicht 500 Mio. Euro Strafe kommen sollen, wenn uns die EU verklagt.

Ich glaube nicht, dass alle Demonstranten in Berlin wissen, wie selbstkritisch Sie auf ihre Arbeit schauen. Bauern, Verbraucher und Umweltschützer haben oftmals sehr ähnliche Ziele. Es geht nicht darum, konventionelle und ökologische Landwirtschaft gegeneinander in Stellung zu bringen.

Gesund, produktiv, regional, umwelt- und tiergerecht sind Kriterien einer zukunftsfähigen Landwirtschaft. Lassen Sie uns gemeinsam das Jahr 2017 für einen solchen, neuen Gesellschaftsvertrag zwischen Landwirtschaft, Handel, Verbrauchern schließen, damit eine zukunftsfähige Landwirtschaft sagen kann:

Ja, wir machen Euch satt.

Herzlichen Dank

 

Homepage Bernhard Daldrup

 

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